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Industrie

Industrie, Innovation und Infrastruktur – die Region Geiseltal im Wandel

By Veranstaltungen

Unter diesem Motto fand im Rahmen der Lehrer:innenfortbildung eine Veranstaltung in der Zentralwerkstatt Pfännerhall (Braunsbedra) statt. Sie fügt sich ein in die Fortbildungsreihe zur Erkundung außerschulischer Lernorte – eine Zusammenarbeit zwischen dem LISA (Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung SachsenAnhalt) und unserem Landesverband. Nach der Begrüßung durch unsere stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Schulgeographen Sachsen-Anhalt, Frau Yvonne Oehler, sowie Frau Gehrt – Woitzik vom LISA, gab Frau Oehler eine kurze allgemeine Einführung zum von ihr gestalteten Ablauf des Fortbildungstages. Im Anschluss stieg Herr Dietmar Onnasch, ehemals LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH) -Abteilungsleiter Projektmanagement Sachsen-Anhalt, begeistert und überzeugend mit einem Vortrag in die Thematik   ein. Herr Onnasch ist ein Bergmann in vierter Generation. Er hat sowohl den aktiven Braunkohlebergbau als auch die Sanierung der Tagebaue im Geiseltal erlebt. 

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“  (Heraklit von Ephesus, 535-475 v. Chr.)

Während des Vortrages wurde der Spruch von Heraklit stetig bewusst. Das Geiseltal – eine Landschaft im Wandel: von der Agrar- zur Bergbau- und Industrielandschaft, von der Bergbau- und Industrielandschaft zu einem Raum für Freizeitgestaltung und Erholung. 

Ursprünglich säumten die Ufer der Geißel  (das Tal zwischen Mücheln und Merseburg) kleine Siedlungen. Im Wesentlichen lebten die Bewohner von der Landwirtschaft. Im Zuge des beginnenden Braunkohlebergbaus wurde ein Strukturwandel eingeleitet, sodass aus einem ländlichen Raum ein Bergbaurevier entstand. Neben der Tatsache, dass die Lagerstätte Geiseltal eine der bekanntesten und größten Braunkohlevorkommen Deutschlands mit Flözen bis zu 120 Metern Mächtigkeit war, sind die Funde von Fossilien allgemein bekannt und von geologischem Interesse. Treibkraft der Entwicklung des Braunkohlebergbaus war die Industrialisierung – Privathaushalte, Zuckerfabriken, Ziegel- und Kalkbrennereien sowie Brauereien gehörten zu den Hauptabnehmern. 

Der Braunkohlenbergbau (ca. 300 Jahre) hat den Raum im Besonderen geprägt. Inzwischen ist dieses Gebiet eine Landschaft, die sich infolge langjähriger Sanierung und Rekultivierung zu einem attraktiven Lebensraum (Wohnanlagen, Ferienhäuser, Wanderwege, Bademöglichkeiten) entwickelt hat. Sogar ein Weinberg ist am Ufer des Sees angelegt worden. 

Allerdings mussten dem ursprünglichen Tagebau die Bewohner aus 20 Orten bzw. Ortsteilen (z.B. Benndorf, Lützkendorf, Runstedt) weichen. Diesen Ortschaften wird auf Informationstafeln am Ufer des Sees gedacht. 

Die Sanierung: 

Nach der Beendigung des Bergbaus im Geiseltal blieben Restlöcher mit enormer Größe zurück, sodass die Flutung die einzige durchführbare Alternative war. Letztendlich auch die ökologisch und wirtschaftlich optimale Variante.

Zu den Geiseltaler Seen gehören der Geiseltalsee, der Runstedter See, der Großkaynaer See und der Hasse See. Der Geiseltalsee ist eines der größten Tagebaurestlöcher Mitteldeutschlands. Seine Fläche beträgt etwa 18,4km2, sein Wasservolumen etwa 423 Mio. m³. Bevor wir eine kleine Wanderung zum Hafen Braunsbedra unternahmen, wurde unsere Gruppe durch die Ausstellung zur Geschichte und Industriedesign der Pfännerhall geführt. Die Zentralwerkstatt Pfännerhall ist ein besonderes Industriedenkmal – eine ehemalige Brikettfabrik.  

 

Die Veranstaltung nahm Bezug zu Themen, die im Lehrplan Geographie für die Klassenstufen 5 und 10 relevant sind. In der Klassenstufe 5 ist die Behandlung von Wirtschaftsräumen (Verdichtungsräume Deutschlands, Beispiel aus dem Heimatraum) vorgesehen. In diesem Zusammenhang kann die Entstehung der Kohle mit ihrer Nutzung und der Auswirkung des Abbaus auf die Landschaftsveränderung betrachtet werden. In der Klassenstufe 10 kann dieser Raum im Rahmen der „Mensch-Umwelt-Interaktion“ analysiert werden.  Natur- und Anthroposphäre können in ihrer Wechselwirkung unter Berücksichtigung erdgeschichtlicher Prozesse und sozioökonomischer Entfaltungsstufen untersucht werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dieses Gebiet als ein Beispiel für nachhaltige Entwicklung zu bewerten.  

Ein Ausblick für den nächsten Außerschulischen Lernort wurde bereits gegeben –  es geht nach Halle und wir widmen uns der Innenstadtentwicklung.    

Patricia Possekel