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Aktuelles

Zweites Gespräch im Bildungsministerium zur Zukunft des Faches Geographie

By 6. April 2026No Comments

Am 26. Februar 2026 fand im Ministerium für Bildung erneut ein Gespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums und dem Verband der Schulgeographen statt. Anlass war die geplante Reduzierung der Wochenstunden im Fach Geographie in den Klassenstufen 7 und 8 auf jeweils eine Stunde, um Raum für die verbindliche Einführung des neuen Faches Wirtschaft zu schaffen. Der Verband hatte sich im Vorfeld wiederholt für den Erhalt der bisherigen Stundenstruktur eingesetzt. Unter anderem läuft auch eine Petition im Landtag Sachsen-Anhalts. Bildungsminister Herr Riedel eröffnete die Sitzung mit Verweis auf den Koalitionsvertrag. Daraus ergebe sich der politische Auftrag, ökonomische Bildung an Schulen verbindlich zu stärken. Die Einführung des Faches Wirtschaft sei daher eine konsequente bildungspolitische Maßnahme. Zugleich betonte der Minister, dass Geographie in der Sekundarstufe I weiterhin mit insgesamt sieben Stunden vertreten sei und Sachsen-Anhalt damit im Ländervergleich „gut aufgestellt“ bleibe. Nachhaltigkeitsthemen, so Riedel, seien zudem nicht ausschließlich der Geographie vorbehalten, sondern auch in anderen Fächern verankert. Für den Verband der Schulgeographen widersprach Herr Sieber dieser Einschätzung. Geographie sei ein zentrales Brückenfach, das Natur- und Gesellschaftswissenschaften verbinde und damit eine besondere integrative Bildungsfunktion erfülle. Eine Reduzierung auf faktisch ein Einstundenfach in einzelnen Jahrgängen sende ein problematisches Signal hinsichtlich der Wertigkeit des Faches und schwäche Kompetenzen wie räumliches Denken, Systemanalyse und globale Orientierung. Staatssekretär Böhm verwies in seiner Stellungnahme auf wissenschaftliche Studien zur ökonomischen Bildung. Diese belegten deutliche Defizite in Sachsen-Anhalt, die unter anderem im Ökonomischen Bildungsindex sichtbar würden. Die Einführung eines eigenständigen Faches Wirtschaft sei daher evidenzbasiert und solle eine systematische ökonomische Grundbildung gewährleisten. Aus curricularer Perspektive erläuterte Dr. Wagner, dass insbesondere die Klassenstufen 7 und 8 geeignet seien, grundlegende ökonomische Konzepte aufzubauen. Wirtschaft müsse dabei als eigenständige Disziplin mit klar definierten Kompetenzzielen erkennbar sein; eine bloße Integration in bestehende Fächer könne diese Systematik nicht leisten. Kritische Töne kamen von Herrn Ulrich (VDSG), der die derzeitigen Fortbildungsangebote für das neue Fach als unzureichend bezeichnete. Ohne tragfähige Qualifizierungsstrukturen bestehe die Gefahr, dass die Reform zwar strukturell beschlossen werde, ihre Qualität im Unterricht jedoch nicht entsprechend gesichert sei. Seitens des Ministeriums wurde zugleich eine Perspektive eröffnet: Geographie könne künftig auch als Leistungskurs in der gymnasialen Oberstufe stärker verankert werden. In seinem abschließenden Wort betonte Herr Sieber, dass politische Entscheidungen zur Stundentafel die schulische Praxis unmittelbar prägen. Eine nachhaltige Bildungsstrategie müsse Erweiterungen ermöglichen, ohne bewährte integrative Fächer strukturell zu schwächen. Das Gespräch endete in einer sachlichen, teilweise deutlich spannungsgeladenen Atmosphäre, die die bildungspolitische Tragweite der Diskussion deutlich machte.